Arbeiten im SGK: “Ein schöner gemischter Haufen”

Felix Stope ist 32 Jahre alt und arbeitet seit fast zehn Jahren im Sankt Gertrauden-Krankenhaus. Seit rund eineinhalb Jahren ist er stellvertretender Stationsleiter in der Geriatrie, zusätzlich schult er in seiner Rolle als Praxisanleiter Nachwuchskräfte. Im Interview erzählt er, wie er zur Pflege gekommen ist, was die Geriatrie für ihn besonders macht und welche persönlichen Pläne er für die Zukunft hat.

Hallo Felix! Danke, dass du dir die Zeit genommen hast – davon haben Pflegekräfte ja bekanntermaßen nicht sehr viel. Deshalb legen wir am besten direkt los. Erzähl doch mal … wie bist du zur Pflege gekommen?

Ich habe 2009 Zivildienst gemacht und habe direkt gemerkt: Pflege ist mein Ding.

Und was ist dann passiert?

Es hat eigentlich nicht lange gedauert, dass ich mich bewusst für eine Ausbildung im Sankt Gertrauden entschieden habe – und das trotz des langen Anfahrtswegs.

Du sagst „trotz des langen Anfahrtswegs“ – jetzt wollen wir natürlich wissen: Wieso denn gerade das Gertrauden?

Für mich war es sehr reizvoll, dass es ein vergleichsweise kleines Haus ist, das nicht ganz so anonym wie die Charité und andere große Häuser ist. Man läuft durchs Haus und kennt sich, man sieht die Kollegen, grüßt sich. Das sind die Sachen, auf die ich Wert lege und die man hier einfach hat. Das war der Hauptgrund, wieso ich mich für das Haus entschieden habe.

Du bist stellvertretende Stationsleitung in der Geriatrie. Was bewegt einen jungen Menschen sich für diese Abteilung zu entscheiden?

Das hatte damals mehrere Gründe. Der vielleicht wichtigste: Wir hatten damals ein Projekt, bei dem Schüler eine Station geleitet haben und das hat auf der Geriatrie stattgefunden. Da durfte ich den Alltag hautnah miterleben und war einfach angetan davon, wie es hier läuft. Man arbeitet Hand in Hand mit den Therapeuten und den Ärzten – es ist ein super angenehmes Arbeiten auf Augenhöhe und das Hierarchiegefälle, was man ja manchmal so erlebt, das gibt es einfach nicht. Nicht falsch verstehen: Der Respekt ist natürlich trotzdem da. Aber man kriegt eben auch total viel Respekt von den ärztlichen Kolleginnen und Kollegen zurück. Das ist einfach ein schönes Arbeiten.

Das ist ja nun schon fast zehn Jahre her. Ist das bis heute so geblieben?

Absolut. Dazu kommt: Das pflegerische Team bei uns ist ziemlich durchmischt: Wir haben wirklich ganz junge Kolleginnen und Kollegen, die jetzt in den Beruf gestartet sind und ihr Examen letztes Jahr abgeschlossen haben. Wir haben aber natürlich auch die Kolleginnen und Kollegen, die schon Jahre lang Erfahrung gesammelt haben – und das ergänzt sich natürlich super. Das alles ergibt einfach einen schönen gemischten Haufen.

Das klingt nach einem super Team.

Ich kann natürlich nicht für jeden Kollegen sprechen, aber ich muss sagen, ich bin an einem Punkt, wo ich gar nicht mehr auf den Dienstplan gucke und schaue, mit wem ich Dienst habe. Ich komme zum Dienst und sehe „Ah, ich habe mit X und Y – super, läuft.“ Es gibt für mich persönlich nicht den Fall, wo ich sage, das ist schwierig mit der Person zu arbeiten. Jeder hat natürlich seine persönlichen Leute, mit denen er lieber oder weniger lieber arbeitet, aber es ist nicht so, dass es Konstellationen gibt, die man vormeiden muss. Eigentlich ist es immer ein schönes kollegiales Arbeiten.

Du warst noch ganz frisch im Beruf, als du dich für die Geriatrie entschieden hast. Würdest du die Geriatrie auch anderen Berufsanfängern empfehlen?

Auf jeden Fall. Ich habe mich bewusst für die Geriatrie entschieden, weil ich als Berufsanfänger Vorzüge darin gesehen habe, dass die Geriatrie so breit an Krankheitsbildern gefächert ist, auf die man trifft. Wir haben nicht nur das AltersTraumaZentrum als Zweifachabteilung mit Unfallchirurgie und Geriatrie, sondern auch internistisch alles Querbeet. Heißt: Man sieht total viel, man lernt ganz viel, man hat ganz viele Einflüsse aus allen Fachbereichen. Das ist natürlich gerade für einen Berufsanfänger total super.

Das klingt durchaus nach einer guten Möglichkeit für junge Nachwuchskräfte.

Dazu kommt noch, dass die Geriatrie eine relativ geplante Fachabteilung ist: Wir haben geplante Aufnahmen, wir haben geplante Entlassungen, wir haben eben nicht diese acht Spontanaufnahmen im Spätdienst über die erste Hilfe. Da man am Anfang ohnehin erstmal kämpft zurechtzukommen, ist das total angenehm. Als letztes kommt noch dazu, dass wir in der Geriatrie – meine persönliche Meinung – einen vernünftigen Pflegeschlüssel haben und dadurch so besetzt sind, dass wir auch wirklich aktivierend-therapeutisch pflegen können. Das macht die Arbeit angenehm.

Was ist anders an der Arbeit mit geriatrischen Patientinnen und Patienten – oder vielleicht auch besonders?

Unsere Patienten liegen ja immer zwei bis drei Wochen bei uns. Da erfolgt natürlich ein ganz anderer Beziehungsaufbau. Man lernt den Menschen kennen, man lernt seine Biographie kennen. Wir sehen den Patienten nochmal ganz anders: Wir sehen weniger das Krankheitsbild als den ganzen Menschen, das was ihn ausmacht, was er erlebt hat. Und man begleitet ihn auch ganz anders: Man sieht die Erfolge, die in unserem großen therapeutischen Team erzielt werden. Anfangs liegen die Patienten im Bett, kommen gerade an die Bettkante, und im Idealfall – oder auch in vielen Fällen – gehen sie nach drei Wochen am Rollator aus dem Haus. Das sind Momente, in denen man ganz viel wiederkriegt für seine Arbeit. Und in den allermeisten Fällen bekommt man diese Wertschätzung und Dankbarkeit auch von den Patienten zurück. Das ist einfach schön, das habe ich in den anderen Fachabteilungen während meiner Ausbildungszeit so nicht erlebt.

Apropos Ausbildungszeit – erzähl doch gerne nochmal, wie sich dein Weg im Sankt Gertrauden bisher genau gestaltet hat …

Ich habe wie gesagt 2013 bis 2016 die Ausbildung gemacht und war damit sehr zufrieden. Nachdem ich ein Dreivierteljahr bei einem ehemaligen Zivildienstträger gearbeitet habe, habe ich mich schnell entschlossen, hier wieder anzufangen – und aus den eben genannten Gründen in der Geriatrie. Dann habe ich mit Praxisanleitung angefangen. Jetzt seit rund eineinhalb Jahren unterstütze ich Stationsleiterin Tanja Horn als stellvertretende Stationsleitung.

Was genau heißt Praxisanleitung?

Wir haben bei uns immer relativ viele Auszubildende, denen man was beibringen kann. Das ist auch so ein Punkt, der mir ein großes Anliegen ist und viel Spaß macht – und wir haben da auch ein ganz gutes Feedback von den Schülern.

Und das misst du woran?

Von unseren vier Examensschülern arbeiten drei jetzt bei uns auf der Station, weil es ihnen Spaß gemacht hat. Und wir haben jetzt auch fürs nächste Examen wieder zwei Examenspaare, die wirken auch ganz zufrieden. Also vielleicht wollen davon auch welche bei uns weitermachen – das wäre natürlich toll.

Beliebter Praxisanleiter und stellvertretender Stationsleiter – dann hast du ja bisher einen vorzeigbaren Werdegang hingelegt …

Es kommt ja drauf an, was jeder möchte. Ich fand es von Anfang an schön, mit den Azubis zu arbeiten, deshalb war mein erster Schritt Praxisanleitung. Dann wollte ich mehr Verantwortung übernehmen, da hat sich der Schritt zur stellvertretenden Stationsleitung natürlich angeboten. Das ist für mich persönlich natürlich super, das ist genauso wie ich mir das gewünscht und vorgestellt hätte. Aber das ist ja auch nicht für jeden etwas, nicht Jedermann will diese Verantwortung übernehmen.

Und gibt es für diese Kolleginnen und Kollegen denn auch eine Möglichkeit sich weiterzuentwickeln?

Na klar, es gibt beispielsweise über die gemeinsame Förderung von Hospizverein und Arbeitgeber die Möglichkeit zur palliativen Weiterbildung oder zur Schmerzfortbildung.  Wir hatten jetzt eine Kollegin, die hat lange bei uns in der Geriatrie gearbeitet, hat sich palliativ fortgebildet. Sie wollte immer ins Hospiz, weil sie einfach da ihren Fokus gesehen hat und hat jetzt letztendlich diesen Sprung auch geschafft. Und das ist ja irgendwie auch schön, wenn man da seinen Weg findet.

Hast du auch konkrete Weiterbildungen absolviert?

Ich habe persönlich zwei geriatrische Fachweiterbildung gemacht: Den Zercur-Basiskurs und den Zercur-Aufbaukurs. Jetzt darf ich mich „Pflegeexperte in der Geriatrie“ nennen. Was ich an dieser Stelle unterstreichen möchte: Zum einen haben wir einen großartigen Chefarzt in der Geriatrie, der total hinterher ist, der uns als Pflegepersonal in die Richtung alles ermöglicht. Zum anderen unterstützen einen aber auch die Pflegedienstleistung und die Geschäftsführung vollumfänglich in Bezug auf Fort- und Weiterbildung. Fazit: Wenn man Interesse hat, sich weiterzubilden, kann man immer auf jemanden zugehen.

Du bist erst 32, hast aber schon viel gemacht und erreicht. Hast du trotzdem noch persönliche Zukunftspläne?

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich eigentlich noch gerne studieren würde. Ich liebe meine Arbeit, ich mache das total gerne, aber ich glaube, man muss auch realistisch sein, dass das ein sehr körperlicher Job ist, der einen auch ganz schön schaffen kann. Ich habe jetzt Familie, einen dreijährigen Sohn, und der Schichtdienst ist einfach ein Faktor, der fürs Familienleben schwierig ist. Ich würde gerne noch studieren, um die Möglichkeit zu haben, mich im weiteren Verlauf anders zu orientieren.

Und in welche Richtung soll es dann gehen?

Pflege macht mir Spaß, das ist mein Ding – da würde ich schon gerne bleiben. Ich würde auch im Haus bleiben. Das Haus gefällt mir, es macht mir hier Spaß. Deshalb hoffe ich, dass ich das, was ich vor Corona angedacht hatte, jetzt nochmal in Angriff nehmen kann.

Nämlich?

Ich würde gerne etwas in die Richtung Gesundheits- und Pflegemanagement dual studieren – und wenn alles gut geht, den dualen Teil hier im Haus absolvieren.

Dann viel Erfolg dabei – und vielen Dank für das nette Gespräch!