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Neues aus der Frauenheilkunde und Geburtshilfe

02.11.2010                       

Neue Ergebnisse zur intraoperativen Strahlentherapie bei Brustkrebs
Das Sankt Gertrauden-Krankenhaus setzt neben etablierten Methoden der Brustkrebsdiagnostik und -behandlung im Rahmen einer internationalen Studie (TARGIT) bereits seit 2005 die intraoperative Strahlentherapie (IORT) ein. Es ist das einzige Berliner Krankenhaus, das sich an dieser Studie beteiligte. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im Juni 2010 in der renommiertesten internationalen medizinischen Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht, wobei das Sankt Gertrauden-Krankenhaus als eines der aktivsten Studienzentren (Lancet (10) 2010) erwähnt wurde. Nach den Ergebnissen dieser Studie entspricht die alleinige Bestrahlung während der Operation (intraoperative Strahlentherapie) über 20 bis 40 Minuten bei bestimmten Patientinnen (z.B. Frauen mit Brustkrebs im frühen Tumorstadium die über 50 Jahre alt sind; weitere Kriterien bitte im Brustzentrum-City erfragen) den Ergebnissen der etablierte Bestrahlung nach der Operation, die bis zu 7 Wochen täglich über wenige Minuten in einer Praxis oder Klinik für Strahlentherapie durchgeführt wird. Augrund der erfolgreichen Studienergebnisse beteiligt sich das Sankt Gertrauden-Krankenhaus nun auch an der Nachfolgestudie (Einschlusskriterien bitte im Brustzentrum-City erfragen).

Die intraoperative Strahlentherapie kann die konventionelle Strahlentherapie verkürzen, zielgerichteter durchgeführt werden und dadurch die Nebenwirkungen für die Haut und den Brustkorb vermindern. Bei dieser Therapieform wird nach der Entfernung des Brustkrebses noch in Narkose der befallene Teil der Brust mithilfe eines mobilen Bestrahlungsgerätes für 20 bis 40 Minuten bestrahlt. Die Strahlung erfolgt mit hoher Präzision direkt im Tumorbett (intraoperative Boost-Bestrahlung). Die Haut und der Brustkorb mit Herz, Lungenfell und Lunge werden während dieser Bestrahlung nicht bestrahlt. Die übliche Bestrahlung der gesamten Brust nach der Operation wird verkürzt und Nebenwirkungen durch die kürzere Bestrahlungszeit reduziert. Die intraoperative Boost-Bestrahlung ist ein inzwischen von den Zulassungsbehörden und Fachgesellschaften zugelassenes Routineverfahren. 

Diese Technik setzen Frau Oberärztin Dr Groß, die neu berufene Oberärztin Dr. Völcker, die Fachärztinnen Dr. DeGrahll, Dr. Gerber-Schäfer und Prof. Blohmer im Operationssaal ein.

Gen-Test am Brustkrebsgewebe
Das Sankt Gertrauden-Krankenhaus bietet seinen Patientinnen als bislang einziges Berliner Krankenhaus einen zugelassenen Gen-Test am Brustkrebsgewebe unter Studienbedingungen kostenfrei für die Patientin an. Diese German-Decision-Impact-Studie wird von Prof. Eiermann (München) und Prof. Blohmer (Sankt Gertrauden-Krankenhaus, Berlin) geleitet. Der Gen-Test untersucht die Gewebeproben eines Brustkrebstumors auf spezifische Eigenschaften relevanter Gene. Die Testergebnisse dienen neben den traditionellen Kriterien (z.B. Tumorgröße, Befall der Lymphknoten) als Entscheidungshilfe bei der Frage, ob eine Chemotherapie nach einer Brustkrebsoperation notwendig ist. Zudem gibt das Testergebnis Hinweise zum Risiko eines Wiederauftretens des Brustkrebses (Rezidiv). Da für den Gentest Gewebe verwendet wird, welches im Rahmen von Routineuntersuchungen aufbereitet und aufbewahrt wird, ist für die Durchführung kein zusätzlicher Eingriff notwendig.


Neuer Ultraschall-Brustscanner
In naher Zukunft wird das Sankt Gertrauden-Krankenhaus als Vorreiter in Berlin die innovative Technik des ABVS einsetzen (automated breast volume scanner). Das Ultraschallgerät der Firma Siemens liefert dem Arzt durch die automatisch aufgenommenen dreidimensionalen Volumenaufnahmen Informationen über die gesamte Brust, auch bei sehr dichtem Brustgewebe. Das Gerät ermöglicht somit insbesondere bei Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe eine höhere Früherkennungsrate bei Brustkrebs. Die neuartige Automatisierung gewährleistet zudem eine standardisierte, gleichbleibend hohe Aufnahmequalität bei vergleichsweise geringem zeitlichem Aufwand für die Patientinnen. Das Gerät speichert die Ergebnisse der standardisierten Untersuchung der gesamten Brust und ermöglicht damit eine röntgenfreie Verlaufsuntersuchung. Die 3D-Mammasonographie (dreidimensionaler Ultraschall der Brust) wird bereits seit 2004 am Sankt Gertrauden-Krankenhaus eingesetzt. In dieser Zeit konnte bei mehreren Patientinnen der Brustkrebs oder ein Brustkrebs-Rezidiv besser und früher erkannt werden. Mit der neuen Methode ist es möglich, das gesamte Brustdrüsengewebe und nicht nur das Tumorgewebe dreidimensional zu untersuchen. Damit können weitere Tumoren in der näheren und weiteren Umgebung des Tumors erkannt werden. Diese Information ist für die Planung der Operation wichtig. Unter Umständen kann diese Methode auch zur Früherkennung in Kombination mit anderen Methoden wie der Tastuntersuchung und dem konventionellen Ultraschall eingesetzt werden. Sie ersetzt jedoch nicht das Mammographie-Screening.


Innovative Kontroll-Methode zur vollständigen Tumorentfernung bei Brustkrebs
Das Sankt Gertrauden-Krankenhaus ist das dritte Zentrum in Europa, das die Margin Probe® unter Studienbedingungen einsetzt. Diese Technik ermöglicht noch im Operationssaal die Kontrolle, ob eine vollständige Tumorentfernung gelungen ist. Das bereits entfernte Gewebe wird bei dieser Technik mit einem elektromagnetischen Verfahren von allen Seiten überprüft, indem die Eigenschaften von krebsfreiem und krebsbefallenem Gewebe verglichen werden. Durch dieses neuartige Verfahren können Folgeoperationen vermieden und gesundheitliche Risiken für die Patientinnen reduziert werden.


Geburtenzahlen steigen am Sankt Gertrauden-Krankenhaus
Nach der Berufung von Frau Oberärztin Spethmann für die Leitung der Geburtshilfe und der erfolgten Neugestaltung des Kreißsaales sowie der Wöchnerinnen- und Familienzimmer werden immer mehr Frauen in unserem Krankenhaus von ihrem Baby entbunden. Bereits Mitte Oktober 2010 wurde die Geburtenzahl des gesamten Jahres 2009 erreicht. Dennoch werden in unserem Krankenhaus auch 2010 weniger als 1000 Frauen ihr Kind bekommen, so dass eine individuelle Geburtshilfe weiterhin möglich bleibt. Selten sind mehr als 2 Frauen gleichzeitig unter der Geburt, so dass jede Geburt durch eine Hebamme betreut werden kann (1:1 Betreuungsverhältnis). Auch die Zahl der Beleghebammen ist im Jahr 2010 gestiegen. Unsere Kinderärztin Frau Dr. Schönborn betreut weiterhin die Neugeborenen und konnte sich über neue Medizintechnik zur Betreuung der Kinder mit kurzzeitigen Anpassungsstörungen an das Leben nach der Geburt freuen.


Weiterbildungsermächtigung für Gynäkologische Onkologie
Prof. Blohmer ist spezialisiert auf die Behandlung von Frauen mit Krebs der Brustdrüse, der Gebärmutter, der Eierstöcke und der Schamlippen, also auf das gesamte Gebiet der Gynäkologischen Onkologie. Nachdem er die Schwerpunktbezeichnung Gynäkologische Onkologie seit 2008 führt (vorher war dies im Schwerpunkt Spezielle operative Gynäkologie enthalten, der seit 1997 geführt wird) und von 2002 bis 2004 die Gynäkologische Onkologie der Charité als C3-Professor geleitet hatte, darf er mit Genehmigung der Ärztekammer Berlin seit Mai 2010 Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe für den Schwerpunkt Gynäkologische Onkologie über 3 Jahre weiterbilden. Weiterhin werden Assistenzärztinnen und Assistenzärzte im Rahmen seiner Weiterbildungsermächtigung über 5 Jahre zu Fachärzten für Frauenheilkunde und Geburtshilfe weitergebildet.


Sprechstunde für Allgemeine und Urogynäkologie ausgebaut

Durch die Qualifizierung der Fachärztin Frau Özer und die Einstellung des Facharztes Bustamante hat Oberarzt Dr. Braun Verstärkung bekommen. Die Wartezeiten für eine Konsultation und/oder Behandlung (mit oder ohne Operation) von Frauen mit Harninkontinenz, Senkungsbeschwerden, Myomen mit Beschwerden, Veränderungen am Muttermund (Dysplasien) oder Blutungsstörungen sind nun kurz (ca. eine Woche). Weiterhin können zur Diagnostik der urodynamische Messplatz, das Kolposkop, das hauseigene pathologische Institut und Labor und modernste Operationstechnik (alle minimal-invasiven Verfahren) eingesetzt werden.